Verlag Blaues Schloss Marburg

Das blaue Schloss

Ausstellungen und Lesungen

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Der Verlag Blaues Schloss, die Neue Literarische Gesellschaft sowie der Marburger Künstlerkalender, des Weiteren Autoren des Verlages stellen sich im Mai 2018 in der Buchhandlung "jakobi" in Marburg am Steinweg 45 mit Plakaten, Kalendern, Lesungen und Büchern vor.

 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sa., 12. 05. 2018 um 12.00 Uhr

mit einer Einführung von Prof. Horst Schwebel und Beiträgen von Ludwig Legge (Lyrik) und Prof. Arbogast Schmitt zu der Reihe "Uni im Café" und zu Homer.

 

Die Buchhändlerin Inge Jabobi begrüßt die Gäste:

 

„Wir haben wieder einmal eine Ausstellung, von der ich begeistert bin. Der “Marburger Künstlerkalender“, Gabriele Ziehr ist die Herausgeberin, besteht seit 45 Jahren und betrachtet Marburg mit den Augen von Künstlern mit der Vielfalt der Motive und den verschiedenen Sichtweisen. Des Weiteren werden Herr Prof. Horst Schwebel, Herr Prof. Arbogast Schmitt sowie der Marburger Poet Ludwig Legge uns begleiten. Ohne Herrn Legge wäre das literarische Leben in Marburg nicht vorstellbar. Zudem ist in der Ausstellung der Verlag Blaues Schloss mit vertreten. Wir kennen die Blaue Blume, wir kennen das Schloss, aber hier nun das Blaue Schloss. Ich sage einfach: Danke schön.“

 

 

 

Einführung von Prof. Horst Schwebel

„Es sind drei Orte, obwohl es zwei Räume sind, auf die ich zu sprechen kommen möchte. Der eine ist die Aussicht nach außen. Schauen Sie sich mal an, was Frau Schumacher, die sich professionell mit diesen Digen beschäftigt, aus den Schaufenstern gemacht hat. Dann haben wir hier den Raum mit den Marburger Künstlerkalendern und drüben den Raum, in dem es um den Verlag Blaues Schloss und den Literaturaustausch Marburg-Maribor geht.

Der Künstlerkalender ist 45 Jahre alt. Der erste Künstlerkalender war noch in schwarz-weiß. Dann kam langsam die Farbe auf und seit etwas zwanzig Jahren ist der Künstlerkalender farbig. Wir haben hierbei alle möglichen Künstler: Ubbelohde, Günther Blau, Jochen Schumacher, Werner Willgerodt, Gertrud Hübner-Neuhaus, Reinhold Gelbert, Karl Armbrust, Ludwig Konrad, Reinhard Hofmann und weitere. Anwesend ist Walter Jungmann. Außer dem Künstlerkalender gibt es auch einen Fotokalender, an dem Georg Ziehr viel mitarbeitet hat. Der Künstlerkalender ist schon hergestellt, der Fotokalender wird noch folgen. Über die Kalender hinaus gibt es auch einzelne Mappen: eine Ubbelohde-Mappe, eine Blau-Mappe, auch Originale von Schumacher, wobei dazu zu sagen wäre, dass bei diesen Kunstprodukten der Wert höher ist als der Preis.

Neben den Kalendern, Mappen und Bildern sind hier auch Arbeiten von Gabriele Ziehr ausgestellt. Sie fing mit Fotorealismus an und ging später Richtung Popart. […] Ich möchte auf ein Bild hier hinweisen. Sehen Sie dort. Hier wird Elisabeth erotisiert. Die Krone oben ist noch identisch, dann sehen Sie Rosenblätter und anderes, zum Beispiel Brot oder Brotkrümel, ein Werk über das man nachdenken kann bei der Interpretation von der Elisabeth. Das andere, was Sie hier an der Wand sehen, der Mann im Mond ist ja bekannt, nun sehen Sie dort die Frau im Mond. Was beide Werke verbindet ist das erotische Moment.

Nun zum zweiten Raum. Seit Gründung des Verlags Blaues Schloss sind 70 Publikationen entstanden. Lyrik, Romane, Geschichten, Sachbücher und Reihen , auf die noch eingegangen wird. Eine weitere Besonderheit ist der Umschlag, die Optik, die Präsentation. Dann ist auch der Internetauftritt des Verlages mit allen möglichen Ereignissen, die damit zusammenhängen, zu erwähnen und nun die Ausstellung in der Buchhandlung "jakobi".

 

Ludwig Legge liest aus seinem Buch "Chimären in der Warteschleife"

Der Marburger Lyriker Ludwig Legge trug einige seiner Gedichte vor. Hier ein Beispiel:

 

Die Vorstellung der Vorlesungsreihe "Uni im Café und ihre Publikationen"
Prof. Arbogast Schmitt

"Mit der Reihe 'Uni im Café' besitzt Marburg eine Besonderheit, die sie vor vielen anderen Städten auszeichnet (und oft vor wesentlich größeren) und um die sie auch von vielen beneidet wird.

Natürlich gibt es vielfache Verbindungen von Uni und Stadt an vielen Orten. Auch Marburg hat z.B. ein sehr attraktives Studium Generale. In jedem Semester wählt ein Fach oder eine Fächergruppe ein aktuelles Thema und lädt dazu führende Forscher ein, die neue Ergebnisse so vortragen, dass auch Nichtfachleute folgen können. Von diesen und ähnlichen Unternehmungen unterscheidet sich 'Uni im Café' schon durch die Atmosphäre. Man geht nicht in einen kalten Hörsaal und begibt sich in die Welt der Wissenschaft, sondern sitzt am Sonntag Morgen in der schönen Umgebung eines alteingesessnen Cafés und hört bei Tee und Kaffee, meist in der angenehmen Runde guter Bekannter. Auch wenn diese Runde je nach Thema immer wieder neue Interessenten dazugewinnt, aufs Ganze gesehen ist sie eine in der Tradition vieler Jahre zusammengewachsene Gemeinschaft, und nicht irgendeine Gemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft von Liebhabern der Literatur, die durch die wöchentlichen Sitzungen zu Kennern fast aller wichtigen Strömungen und Autoren der Gegenwart geworden sind. Diesen außergewöhnlichen Vorzug verdankt Marburg dem intensiven Engagement des Leiters der Neuen Literarischen Gesellschaft, Ludwig Legge, der als Autor und Redakteur nicht nur über eine große Kenntnis der nationalen wie internationalen 'literarischen Szene' verfügt, sondern vor allem mit vielen wichtigen Autoren persönliche Kontakte, ja Freundschaften pflegt. So ist es ihm möglich geworden, ins kleine Marburg Gäste einzuladen, um die sich weit größere Städte vergeblich bemüht hatten.

Es war ein ebenso kluger wie fruchtbarer Gedanke Legges, diese von ihm wesentlich mit geschaffenen Bedingungen zu nutzen, um neben der aktuellen Literatur auch die aktuelle Forschung ins Café zu holen, um so mit der Atmosphäre des Cafés noch die Atmosphäre einer zusammengewachsenen Gruppe von Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen und Neigungen zu verbinden. Das schafft, wie sich inzwischen vielfach gezeigt und bewährt hat, eine ganz besondere Offenheit und Bereitschaft zum Gespräch, die im Hörsaal, wo die Barriere von Pult und Auditorium nie ganz verschwindet, kaum je in dieser Weise zu finden ist. Man kann in einem gewissem Sinn die Marburger Institution 'Uni im Café' als eine moderne Form der früheren literarischen Salons bezeichnen. Hier ist es nicht mehr eine ausgewählte kleine Elite, die sich mit den besten Köpfen aus Kunst und Wissenschaft zu gemeinsamem Gespräch trifft, aber es ist eine demokratische, selbstbestimmte Elite, die durch gemeinsame Interessen gebildet ist. In vielen Veranstaltungen konnte man immer wieder mit Bewunderung erfahren, wie intensiv, engagiert und kreativ die Diskussion zwischen dem Vortragenden Forscher und den Hörern geführt wurde, die weit mehr eine Gesprächsrunde als eine Wissenschaftler-Laien-Beziehung war. Das Interesse an den jeweiligen Themen war bald so groß, dass der Wunsch entstand, wenigstens einzelne dieser Vorträge und Gesprächsthemen zu veröffentlichen und in einer Reihe, eben der Reihe 'Uni im Café' zusammenzufassen. Für dieses Unternehmen bot der Verlag Blaues Schloss mit seinem Leiter Karl -Heinz Symon hervorragende Bedingungen. Die inzwischen erschienenen, hoch attraktiv gestalteten und dennoch preiswerten Bände sind im Buchhandel erhältlich und haben reichen Zuspruch erfahren. Man kann dem Verlag und der Neuen Literarischen Gesellschaft zum Erfolg dieser Unternehmung nur gratulieren und das Lob mit dem altrömischenWunsch verbinden: quod sit bonum, faustum, felix fortunatumque!"

 

Keine Individualität bei Homer?
Arbogast Schmitt

(Auszug) "[...] Es sind aus moderner Sicht vor allem zwei kritische Einwände gegen Homer, an denen wir messen, wie viel von ihm auch heute noch verbindlich sein kann: Der eine ist, es gebe bei Homer noch kein wirkliches Interesse am Individuum, der Einzelne fühle sich hier immer als Glied einer Gemeinschaft, in deren Werte er gleichsam hineingewachsen sei. Dass ein Individuum zuerst auf sich gestellt ist und selbst für den Sinn, den es seinem Leben gibt, Verantwortung übernehmen muss, davon gibt es angeblich noch keine Erfahrung und erst recht kein Wissen bei Homer. Der andere kommt aus der vielfachen Beobachtung, dass bei Homer Götter immer wieder in menschliches Handeln eingreifen und es beeinflussen, von einer Selbständigkeit, die auf einer mündig gewordenen Vernunft beruhe, könne bei ihm noch keine Rede sein.

Die kluge holländische Philosophin Cornelia de Vogel wunderte sich über dieses Urteil und stellte den Philologen die Frage, wie sie es eigentlich mit dem halten, was man bei Homer tatsächlich lesen kann. Wovon, so fragt sie, handelt die Ilias nach Homer? Wir lesen: vom Kampf um eine schöne Frau (Helena), die sich von einem schönen orientalischen Prinzen (Paris) verführen hat lassen. Und wie beginnt die Ilias? Mit dem Streit um eine Geliebte des obersten Feldherrn Agamemnon, die ihm, wie er sagt, lieber ist als seine Frau zu Hause und deretwegen er beinahe den ganzen Feldzug gegen Troja aufs Spiel setzt. Und wovon handelt die Odyssee? Von einer Frau (Penelope), die seit Jahren vom feinsten Adel der umgebenden Länder umworben wird, die aber wider alle Hoffnung auf den einen, einzigen Odysseus wartet. Und wie lernen wir Odysseus selbst kennen? Er sitzt am Strand in einer als
wunderbar schön beschriebenen Umgebung als Geliebter einer Göttin, die ihn unbedingt zum Mann haben möchte, - und sehnt sich nach seiner Frau.

Dass die homerischen Epen nicht nur von großen gemeinsamen heroischen Taten berichten, sondern
auch, ja sogar mit markanter Konzentration auf das Schicksal von Individuen, kann man nicht sinnvoll
bestreiten [...].


Keine Selbständigkeit bei Homer, da Götter alles regeln?

(Auszug) [...] Beginnen wir mit einer Leseerfahrung, die wohl jeder macht, der verfolgt, wie Homer das Handeln
seiner Götter darstellt: er berichtet immer wieder davon, dass diese Götter sich verwandeln und sich an
irgendetwas oder irgendjemanden angleichen, wenn sie auf bestimmte Menschen Einfluss nehmen. Nur
ziemlich selten und in Ausnahmefällen zeigen sie sich den Menschen als sie selbst.

Es ist daher ein Fehleindruck zu meinen, die Menschen, von denen Homer erzählt, hätten in dem Bewusstsein gelebt, ständig mit Göttern in Kontakt zu sein. Das ist eine seltene Ausnahme, in der Regel ist es nur der Erzähler Homer, der weiß, dass es Athene, Aphrodite, Apollon, Ares ist, die gerade irgendwie mitwirken. Die Handelnden selbst haben manchmal eine dunkle Ahnung, oft merken sie gar nichts von der göttlichen Beteiligung. Die kennt aber immer der Erzähler Homer, und er berichtet dabei auch regelmäßig – und das hätte der philologischen Aufmerksamkeit nicht entgehen dürfen – dass der Gott selbst meistens etwas ganz anderes im Sinn hat als das, was er gerade bei einem handelnden Menschen zu erreichen sucht oder was er zu ihm sagt.

Ein Beispiel: Telemach, der gerade anfängt, erwachsen zu sein, hat sich aufgemacht, um etwas über seinen Vater zu erfahren. Seit drei Wochen ist er in Sparta bei Menelaos und Helena und fühlt sich dort seinem Vater sehr nahe. Deshalb bleibt er und bleibt, statt daran zu denken, dass bei ihm zu Hause auf Ithaka vieles falsch laufen könnte. Da tritt in der Nacht im Traum Athene an ihn heran und erinnert ihn: Er kenne das schamlose Treiben der Freier seiner Mutter und er wisse doch, wie die Frauen sind.

Sie lassen sich von dem, der am meisten bietet, beeindrucken und denken dann nicht mehr an den
früheren Mann und die eigenen Kinder, …



Es ist keine Frage, Athene spricht hier mit Telemach, wie eigentlich dieser mit sich selbst sprechen
könnte. Aber die Folgerung, der Erzähler Homer stelle uns hier das als eine göttliche Aktivität dar, von
dem wir wissen, dass es eine innermenschliche Aktivität ist, weil er noch gar kein Bewusstsein von der
Selbstständigkeit des menschlichen Inneren hatte, ist offenkundig falsch.

Er lässt Athene ihren Telemach ja regelrecht anlügen. Gerade nämlich, so hatte er kurz zuvor berichtet, saß dieselbe Athene mit dem auf Ithaka angekommenen Odysseus zusammen und versicherte ihm, auf die Treue seiner Frau könne er sich fest verlassen. Telemach sagt sie: „Du kennst doch die Frauen …“ Sie gibt Odysseus sogar eine Erklärung: Sie wollte, dass Telemach sich zu einem ebensolchen Menschen entwickelt, wie er es ist: besonnen, vorausschauend, im Besitz praktischer Klugheit.

Das kann man durchgehend bei Homer feststellen: Er kennt immer den Unterschied zwischen dem, was der Gott selbst will, und der Weise, wie er sich einzelnen Menschen gegenüber verhält.

Als Athene Achill abhält, Agamemnon zu töten, will sie, die die Sache der Griechen für gerecht hält, Schaden von ihnen abwenden. Aber sie herrscht ihn nicht an wie Merkur den Aeneas (bei Vergil), der für seine geliebte Dido Karthago aufbaut, sondern sie rät ihm, sich auf andere Weise Genugtuung zu verschaffen, d.h. nicht mehr mitzukämpfen. Das ist das Äußerste, was man dem erregten Achill abverlangen kann, aber nicht das, was Athene will.

Nun kann man sich fragen, weshalb Homer überhaupt an das Wirken von Göttern glaubt, wenn er weiß, was die Menschen von sich aus können. Die Antwort würde vermutlich lauten: Weil für ihn die Voraussetzung einer wirklichen Selbsterkenntnis ist, dass der Mensch zwischen dem, worüber er von sich aus verfügt, und dem, was nicht in seiner Verfügungsgewalt liegt, unterscheiden kann. Kein Mensch bei Homer und vermutlich der Antike überhaupt, käme auf die Idee, (z.B.) die Liebe für etwas zu halten, was allein durch ihn in der Welt ist. Aphrodite ist keine Konstruktion eines menschlichen Gehirns, sondern eine Macht, die es für alle gibt, die aber nicht alle in gleicher Weise wahrnehmen und mit der man sehr unterschiedlich und mehr oder weniger selbständig umgehen kann.

Vor allem dieses 'Mehr oder Weniger' stellt Homer immer wieder dar und macht damit sehr deutlich, dass er ein Wissen von dem eigenen Können der Menschen hat, dessen Grenzen er aber auch kennt Athene z.B. offenbart sich Odysseus so, wie sie selbst ist, und sie sagt ihm auch, warum. Weil er unter den Menschen so sei wie sie: niemals vorschnellen Eindrücken erlegen, sondern immer umsichtig und klug auf den wahren Vorteil bedacht. Telemach oder Achill bietet sie weniger, nur gerade so viel, wie der Anteil an Vernunft ist, den zu ergreifen sie in der Lage sind. Von Hektor, der wider alle Vernunft meint, auch gegen Achill bestehen zu können, oder von einem Pandaros, der heilige Eide bricht, um sich 'klug' einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, sagt Homer: Athene hatte ihm den Verstand genommen.

Ein Pandaros kann sich nicht beschweren, Athene habe ihm willkürlich geschadet, er ist es, der einen schlechten Gebrauch von dem gemacht hat, was sie anbietet. Bei Heraklit heißt es: Obwohl die Vernunft für alle ein und dieselbe ist, leben die meisten, als hätten sie eine Privatvernunft.

Die Einsicht, dass es so etwas wie eine allen gemeinsame Vernunft gibt, deren Möglichkeiten man sich erschließen oder nicht erschließen kann, scheint es zu sein, auf die sich Homer stützt, wenn er in Athene eine in der Welt und auf sie wirkende Macht sieht, die nicht durch den Menschen in der Welt ist, die er aber erkennen und von der er einen Gebrauch machen kann, der ihr mehr oder weniger gemäß ist. Die späteren Griechen (z.B. Herodot) haben Homer die Leistung zugeschrieben, genauer als es früheren Generationen gelungen war, das erkennbare Können, die 'technai' der Götter unterschieden zu haben [...]."


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Begleitet wird die Ausstellung im Mai 2018 mit folgenden Lesungen:

 





 

5 Jahre Verlag Blaues Schloss Bilder Rückblick

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