Verlag Blaues Schloss Marburg


Das blaue Schloss

Vorsicht Schule!!Wagner-Preusse, Regine
Vorsicht Schule!!!
Leben in schulischen Minenfeldern
Kartoniert, 200 Seiten
ISBN 978-3-943556-17-9
Preis: 15,50 Euro

 


 

 

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Kurzinhalt:
Kurz vor Unterrichtsende entgleitet die Situation. Auch die Bravsten sind nicht mehr zu bremsen. Taschen werden gepackt. ‚Ich bin noch nicht fertig. Setzt euch wieder hin.’ Keine Reaktion. Stattdessen drängen alle zur Tür“, sagt Bernd und schaut auf den Flur, in den sich durch geöffnete Klassentüren ungeduldige Schülertrauben zwängen. „Überall das Gleiche. Trotzdem ein untragbarer Zustand.“ „Warum bekommt man so ein Problem nicht in Griff? Wird das nicht in den Konferenzen thematisiert?“

Verblüffend offen und aufrüttelnd diese Nahaufnahmen aus einem Bildungssystem, das stets das Beste will und oft das Falsche schafft: Alleingelassene und überforderte Lehrer und Schulleiter, die mit Mühe den Schein pädagogischen Normalbetriebs aufrechterhalten. Schüler, denen in viel zu großen Klassen nicht individuell geholfen werden kann.  

Bild Wagner PreusseRegine Wagner-Preusse geb. 1951, Studium der Germanistik, Politik und Soziologie, Ausbildung in Familientherapie, arbeitete in der Psychiatrie und ist seit vielen Jahren Lehrerin in der Erwachsenenbildung und in der Staatsschule.

Vorsicht Schule!!! von Regine Wagner-Preusse
Aus dem Schulsystem auf das Schulsystem geblickt
Die Marburgerin Regine Wagner-Preusse hat den Roman „Vorsicht Schule!!! Leben in schulischen Mienenfeldern“ veröffentlicht:
„Was einem an der Uni beigebracht wird, hat mit der Schulwirklichkeit nichts zu tun“, sagt Regine Wagner-Preusse, die selbst seit langer Zeit als Lehrerin arbeitet. In dem vor Kurzem erschienen Roman „Vorsicht Schule!!! Leben in schulischen Mienenfeldern“ hat sie ihren persönlichen Blick auf den Schulalltag literarisch gestaltet. Veröffentlicht wurde das Buch im Verlag Blaues Schloss. Begonnen hat die ausgebildete Familientherapeutin, die Germanistik, Politik und Soziologie studiert und viele Jahre in Erwachsenenbildung und an staatlichen Schulen gearbeitet hat, ihr Manuskript bereits 2005. Sie habe immer mal wieder geschrieben und 2011 schließlich gemerkt, dass viel Stoff zusammengekommen ist, erzählt die Lehrerin, die sich dann auf die Suche nach einem Verlag machte. Warum sie ihre persönlichen Erfahrungen nicht in einem Sachbuch zu Papier gebracht hat? Die Antwort ist klar: „Ich habe mich entschieden, einen Roman zu schreiben, weil es so möglich ist, Schüler und Lehrer in ihrer Komplexität zu zeigen“, so Wagner-Preusse, die im Gespräch mit dem Anzeiger zudem betont, dass es das literarische Genre erlaube, Persönlichkeitsrechte zu schützen. Ohnehin habe sie ihre Berufserfahrungen nicht eins zu eins umgesetzt, sondern versucht, ein stimmiges und fiktives, aber eben doch realitätsnahes Werk zu verfassen. Jetzt aber mal Klartext: Worum geht´s?
Die Marburgerin schickt ihre Hauptfigur Elisabeth nach Jahren in der Erwachsenenarbeit zurück an die staatliche Schule, um sie dort mit dem Alltag und Kollegen wie der langjährigen Lehrerin Monica zu konfrontieren. Realistisch reflektiert Wagner-Preusse dabei etwa das Problem von übergroßen Klassen, Arbeitsüberlastung oder Überforderung im Umgang mit schwierigen Schülern. Sprachlich kommt das Werk in einer eingängigen Prosa daher, was angemessen ist. Denn so entwickelt der bisweilen erschreckende und ernüchternde Stoff, den man als Blick aus dem Schulsystem auf das Schulsystem pointieren könnte, seine zutiefst gesellschaftskritische Schärfe.
Was aber tun, damit die Situation im realen Leben tatsächlich besser wird? „Sehr viel läuft über Bindungen. Kinder, die einem morgens noch auf die Nerven gehen, können nachmittags in anderen Gruppen ganz anders sein“, betont die Autorin, die im Interview auf die Vorteile des Unterrichtens in Kleingruppen verweist. In ihnen bekämen etwa Schüler, die in großen Gruppen störten, die notwendige Aufmerksamkeit. Wichtig: Obwohl sie kritische Worte für das Schulsystem findet, weist die in Lollar aufgewachsene Autorin in einer kurzen Biografie darauf hin, dass Schule aus ihrer Sicht heute nicht nur schlecht sei und sie kompetente Lehrer und motivierte Schüler kennengelernt habe.
Von ihrem eigenen Berufseinstieg vor 1980 spricht die Marburgerin im Gespräch jedoch als „Horrorreferendariat“. Das habe nicht nur mit der Erfahrung zu tun, dass Universität und Schulwirklichkeit nichts miteinander zu tun haben, sondern auch damit, dass Schule so organisiert sei, dass Lehrer praktisch keine Unterstützung erhielten. „Es gibt keine Möglichkeit, über Problemfälle zu reden, dabei wäre das nötig“, erklärt die Autorin, die den Leser in ihrem Roman aus Lehrerperspektive quasi mit in die Schule nimmt. Das ist ein sehr anregender Ansatz, der gerade durch seine bisweilen erschreckende Direktheit kräftig aufrüttelt und zur Diskussion anregt. Ob Wagner-Preusse weiterschreibt? Klare Antwort: Ja, aber in einem anderen Genre, und als nächstes ist ein Dorfkrimi zu erwarten. Wer jetzt aber erstmal „Vorsicht Schule!!!“ lesen möchte: Der Roman kostet 15,50 Euro und ist im Internet über die Verlagshomepage www.verlag-blaues-schloss.de erhältlich. Gießener Anzeiger - veröffentlicht am 28.12.2012 - Autor Stephan Scholz Rezension Amazon

5.0 von 5 Sternen Schule ungeschminkt - Sie leiden nicht allein!,
26. Januar 2013 Von Hans S.

Endlich ein Buch mitten aus der real existierenden Misere der Staatsschule - nicht aus einer besonderes katastrophalen oder vorbildlichen "Brennpunkt"-Schule, sondern aus dem alltäglich landesweiten Wahnsinn, und zwar in klug geführter Nahaufnahme, die ohne theorielastige Interpretation einfach für sich spricht: tägliche Tragödien, aber auch Komödien werden für den Außenstehenden haunah fühlbar und sichtbar, wenn Schüler, Lehrer und Schulleitung oft hilflos und konzeptlos improvisieren, um die bürokratisch bestimmte Fassade der heilen Schulwelt aufrecht-zuerhalten. Absurd bis kurios der Spagat zwischen den gut gemeinten Reformabsichten zum sozialen Lernen und dem Schulalltag, in dem wenige therapiebedürftige, halbkriminelle oder auch nur besonders zuwendungsbedürftige Schüler nicht nur vom Lehrer, sondern auch von den Mitschülern soviel Aufmerksamkeit abziehen, dass am Ende viele normalbegabte und normal sozialisierte Kinder kaum das Nötigste lernen und niemand mehr den guten Schulabschluss auf dem Papier ernst nehmen kann. Dramatisch die Situation vieler Lehrer, die, statt sich auf die pädagogische Aufgabe konzentrieren zu können, ihr Kraft für hilflose Versuche verschwenden müssen, gegen permanente Störungen Weniger eine positive Lernatmosphäre für die Vielen zu schaffen und zu erhalten - besonders in einem Umfeld ohne klare disziplinarische Strukturen und ohne Rückhalt bei Kollegen und Schulleitung, die auch ihrerseits vor lauter dringenden Fassaden-arbeiten kaum zur Arbeit an der Statik kommen. Bei aller Ernsthaftigkeit und Bedrückung versteht es Wagner-Preusse, Sonnenflecken zu plazieren und Hoffnung zu vermitteln - einerseits für ein Leben jenseits von Versorgungsbezügen, Pensionsanspruch und langen Schulferien, andererseits für Naturtalente, die kraft ihrer persönlichen Autorität auch unter den widrigsten institutionellen Umständen überwiegend lehren und lernen können. Wünschen wir unseren Kindern, sofern sie nicht auf Privatschulen ausweichen können, viele solcher Ausnahme-Pädagogen! Sehr lesenswert!



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Endlich ein Buch mitten aus der real existierenden Misere der Staatsschule - nicht aus einer besonders katastrophalen oder vorbildlichen "Brennpunkt" Schule, sondern aus dem alltäglich landesweiten Wahnsinn, und zwar in klug geführter Nahauf-nahme, die ohne theorielastige Inter-pretation einfach für sich spricht: tägliche Tragödien, aber auch Komödien werden für den Außenstehenden haunah fühlbar und sichtbar, wenn Schüler, Lehrer und Schulleitung oft hilflos und konzeptlos impro-visieren, um die bürokratisch bestimmte Fassade der heilen Schulwelt aufrecht-zuerhalten. Absurd bis kurios der Spagat zwischen den gut gemeinten Reformabsichten zum sozialen Lernen und dem Schulalltag, in dem wenige therapiebedürftige, halbkriminelle oder auch nur besonders zuwendungsbedürftige Schüler nicht nur vom Lehrer, sondern auch von den Mitschülern soviel Aufmerksamkeit abziehen, dass am Ende viele normalbegabte und normal sozialisierte Kinder kaum das Nötigste lernen und niemand mehr den guten Schulabschluss auf dem Papier ernst nehmen kann.