Verlag Blaues Schloss Marburg

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Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate

Die neue Völkerwanderung

Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten.

So, 11. Juni, 11 Uhr, Café Vetter

 

"Ich freue mich Dr. Prinze Asfa-Wossen Asserate vorstellen zu dürfen, ...

... wieder vorstellen zu dürfen. Er war ja bereits mit einigen seiner Bücher hier. Er hat vor drei Jahren den Marburger Literaturpreis bekommen und es war für uns sehr schön, dass er den dritten Preisträger Martin Mosebach mit einer Laudatio eingeführt hat. Meine Damen und Herren, das heutige Buch, das heutige Thema : „Die neue Völkerwanderung“. Das ist ein Problem, das uns seit gestern, heute, morgen und übermorgen beschäftigen wird. Es stehen nicht tausende, es stehen auch nicht hunderttausende, es stehen Millionen vor Europas Grenzen, falls es welche gibt. Und wir haben mit Prinz Asfa-Wossen Assertae natürlich einen sehr guten politischen Analysten der Lage in Afrika, denn er kennt den Kontinent wie kaum ein zweiter. Er hat als Großneffe des letzten afrikanischen Kaisers Haile Selassie I., übrigens der Titel seiner Biografie über den Kaiser in Addis Abeba, das deutsche Abitur an der örtlichen Schule gemacht und ist dann zum Studium der Rechtswissenschaften, Politik und Geschichte nach Tübingen gegangen. Er ist mit unserer Kultur aufs Beste vertraut und wenn jemand eine Mittlerrolle zwischen Afrika und Europa ausfüllen kann, dann ist es Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate. Insofern ist sein neues Buch auch eine Pflichtlektüre für uns. Aber besonders möchte ich dieses Buch Politikern empfehlen. Und so wird es Sie nicht wundern, dass Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate ein entschiedener Kritiker dieser europäischen Politik gegenüber Afrika ist." (Ludwig Legge, Einführung).

 

"Lieber Herr Legge, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist sehr schön wieder bei Ihnen zu sein:

Viele von Ihnen hab ich schon vor zweieinhalb Wochen gesehen und wenn ich so weiter mache, werde ich ein Bürger von Marburg. Ich freue mich heute ganz besonders, Sie hier alle zu sehen und besonders Herrn Minister Wagner, der heute unter uns ist. Ich habe ihn vor einigen Jahren kennengelernt und es freut mich ganz besonders, dass er heute zu meiner Lesung in Marburg anwesend ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, zu Beginn möchte ich gerne ein Vorurteil über Afrika zerstreuen. Viele Menschen in Europa sind der Meinung, Afrika sei ein homogener Kontinent, und im Grunde genommen überall gleich. Doch das stimmt nicht. Es gibt nicht nur ein Afrika. Afrika ist Vielfalt.

Deshalb werde ich in meinem Vortrag sowohl über erstaunliche Fortschritte und Errungenschaften sprechen in der Wirtschaft, genauso wie in der Politik, auf der andere Seite werde ich über gravierende Versäumnisse und Fehlleistungen sprechen, und über Herausforderungen, die Afrika gegenwärtig zu meistern hat.

Als diese begegnet uns nämlich Afrika in den verschiedenen Ländern und Regionen. Afrika bietet kein einheitliches Bild. Afrika ist ein Kontinent mit einer Landmasse, in der Europe etwa zehn Mal Platz fände. In Afrika leben derzeit 1,2 Milliarden Menschen, das sind mehr als doppelt so viele wie in der gesamten EU. Die Tendenz ist weiter steigend.

Afrika, das sind hundert große Völker und tausende kleinere Ethnien. Afrika, das sind über zweitausend verschiedene Sprachen unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlicher Religionen. Afrika, das sind explodierende Millionenstädte mit allen ihren Auswüchsen. Afrika, das sind aber auch über seit Jahrhunderten kaum veränderte traditionelle Lebensweisen. Es gab in der Geschichte große afrikanische Reiche. Man denke etwa an die Königreiche von Ghana oder die Zonka, die von Timbuktu aus über weite Teile Westafrikas herrschten, und natürlich nicht zu vergessen das Äthiopische Kaiserreich, das für dreitausend Jahre seine Unabhängigkeit und seine Souveränität aufrechterhalten konnte.

 

Worüber sprechen wir also, wenn wir nach der Geschichte und Kultur Afrikas fragen?

Afrika ist vielschichtig und hat mannigfache Facetten. Afrika besteht heuet aus 54 Staaten, die ihre Grenzen entsprechend weitgehend den Demarkationslinien der Kolonialmächte in den Kontinent geschnitten wurden. Oft sind sie geradezu widersinnig .Sie trennen Völker oder zwängen andererseits viele unterschiedliche Ethnien unter eine Regierung. Generell, meine Damen und Herrn ist Afrika ein sehr reicher Kontinent. Reich an Rohstoffen, Bodenschätzen, Energiereserven und jungen Arbeitskräften. Denn von den 1,2 Milliarden Menschen, von denen ich gesprochen habe, müssen Sie wissen, dass über 85% jünger sind als 25 Jahre. Das Potenzial und die Ressourcen dieses Kontinents sind gewaltig. Die Verschiedenheit und Uneinheitlichkeit der Völker und Menschen Afrikas haben aber auch tiefe Gräben zwischen ihren Kulturen gezogen. Darin sehe ich eine der Hauptursachen für das Elend unseres Kontinents.

 

Widerstreitende Ansichten werden oft in Afrika schwer ertragen.

In den zweitausend Sprachen gibt es kaum ein Wort, das dem europäischen Begriff für „Gegner“ entsprechen würde, dessen unterschiedliche Meinung man respektiert. In Afrika ist der Andersdenkende schnell der Feind, den es auszuschalten gilt. Meine Damen und Herren, wir hören immer wieder von Afrika und den Chancen des Kontinents, wir hören von den gewaltigen Fortschritten, die Afrika in der Wirtschaft gemacht hat, aber auf der anderen Seite hören wir gerade, dass in diesen Tagen 29 Millionen Afrikaner wieder einmal im Osten des Kontinents den Hungertod sterben werden, wenn wir da nicht wieder helfen können. Und dann kommt vielleicht die größte Herausforderung unseres Zeitalters, des
21. Jahrhunderts: die Afrikanische Migration. (Aus dem Vortrag von Dr.Prinz Asfa-Wossen Asserate, Café Vetter, 11.06.2017)


 

 

Buchbeschreibung: (Verlag Propyläen)

 

Die aktuelle Flüchtlingskrise ist vor allem den Ereignissen im Nahen Osten geschuldet. Dabei gerät eine langfristig viel bedrohlichere Entwicklung aus dem Blick: die Völkerwanderung Zehntausender Afrikaner nach Europa. Das Szenario: auf der einen Seite eine Bevölkerung, die sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppelt, auf der anderen Seite die dramatische Zunahme von »failed states«, von Korruption, Misswirtschaft und Unterdrückung.

Als langjähriger Afrika Berater deutscher Unternehmen kennt Prinz Asserate die Missstände genau. Durch westliche Handelsbarrieren und Agrarprotektionen verliert Afrika jährlich das Doppelte dessen, was es an Entwicklungshilfe erhält. Zudem werden Gewaltherrscher hofiert. Gerade diejenigen, die der Kontinent für seine Entwicklung dringend braucht, kehren ihrer Heimat den Rücken und verschlimmern so die Situation vor Ort. Europa, so Asserate, muss Afrika als Partner behandeln und gezielt diejenigen Staaten unterstützen, die demokratische Strukturen aufbauen und in ihre Jugend investieren. Nur so kann es gelingen, den fluchtbereiten Afrikanern eine menschenwürdige Zukunft auf ihrem Kontinent zu ermöglichen.

 

 

Vita (Verlag Propyläen)


Asfa Wossen Asserate, geboren 1948 in Addis Abeba, lebt seit Ende der 1960er Jahre als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten und als Buchautor in Deutschland. Er ist Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Mehrere seiner Bücher waren Bestseller, darunter »Manieren« (2003) und »Afrika: Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten« (2010). 2014 erschien bei Propyläen seine vielbeachtete Biographie Haile Selassies unter dem Titel »Der letzte Kaiser von Afrika«.
Prinz Asfa Wossen Asserate, einer der besten Kenner des afrikanischen Kontinents, schildert die Ursachen der Massenflucht aus Afrika und appelliert an die europäischen Staaten, ihre Politik gegenüber dem Nachbarkontinent grundlegend zu ändern. Andernfalls werden es bald nicht Tausende, sondern Millionen von Flüchtlingen sein, werde diese größte Herausforderung Europas im 21. Jahrhundert in einer Katastrophe enden für Afrika und Europa.Prolog

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In Vorbereitung:

Zum 3. Mal wurde der Literaturpreis der Neuen Literarischen Gesellschaft Marburg vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 3.000 € setzt sich paritätisch aus Spenden der Literaturfreunde und der Universitätsstadt Marburg zusammen. Die bisherigen Preisträger sind Galsan Tschinag und Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate. Die Jury für die Preisvergabe bilden die Literaturfreunde selbst. Die Begrüßungsrede für die Neue Literarische Gesellschaft hielt Ludwig Legge, für die Stadt Marburg sprach der Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, die Laudatio sprach Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate und für die musikalische Umrahmung sorgten Justus Noll/Piano und Diana Metzing/Violine. Der Preisträger Martin Mosebach sprach seinen Dank für die Würdigung aus und las aus seinem Roman "Mogador".

Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main. Karriere als Schrift­steller nach dem II. juristischen Staatsexamen 1979. Fürs seine Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays hat er zahlreiche Auszeich­nungen und Preise erhalten. Er ist Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, der Deutschen Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, wurde 1948 in Addis Abeba geboren. Studium Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge. Promotion in Frankfurt am Main. Unterneh­mensberater für Afrika und den Mittleren Osten, politischer Analyst und geschätzter Autor zahlreicher Bücher.