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"... ich bin so frei"

Existenzielle und theologische Spurensuche

Vortrag und Dialog mit Prof. em. Dr. Gerhard Marcel Martin
Klostergarten Caldern, Samstag, 24. Juni 2017

 

Herr Moog begrüßte im Namen der Kirchengemeinde Sterzhausen-Caldern den Veranstalter der Veranstaltungsreihe Theologie im Paradies Herrn Prof. Dr. Rainer Kessler sowie den Referenten Prof. Dr. G.  Marcel Martin und die Zuhörerschaft zum sechsten Vortrag der Reihe, initiiert von Prof. Dr. Horst Schwebel und dem damaligen Pfarrer Zachow

Im Anschluss leitete der Vorsitzende des Freundeskreises Marburger Theologie  und Sprecher des Emeritiertenkreises  Prof. Kessler über zum Vortrag von Marcel Martin „Ich bin so frei“ - Existenzielle und theologische Spurensuche. 

„Die Kategorie der Freiheit ist hoch umstritten“, so begann Martin  und verwies auf Prof. Korsch, der im letzten Jahr  am selben Ort die Lutherschrift zur Freiheit von 1521 rekonstruiert  und nach dem Ermöglichungsgrund der Freiheit gefragt hatte.

Insoweit hatte Martin die Freiheit das Thema Freiheit  spezieller mit den Worten zu fassen: 

„'Ich bin so frei' ist eine Redensart, wo man schon in dieser Redensart nicht ganz genau weiß, wie frei oder unfrei man ist. Ich nehme mir etwas heraus, was sich vielleicht nicht von selbst versteht, ich erlaube mir etwas, in der Hoffnung der Zustimmung.  Ich riskiere etwas.“

 

Freiheit, nachgeschlagen im rückläufigen Wörterbuch
und kommentiert

Prof. Martin gab zur Ambivalenz des Begriffes Freiheit eine Auflistung aus dem rückwärtslaufenden Wörterbuch, die er kommentierte und die hier in eine satirische Form gekleidet wird:

 

 

Bird on Wire

Als nächstes Beispiel für eine Auseinandersetzung mit Freiheit stellte Martin den Song von Leonard Cohen vor aus dem Jahr 1968, und er erläuterte ausführlich die Spannung des Liedes zwischen der erwünschten Freiheit und einem Liebeslied, zudem ein Lied der Abgrenzung und der Enttäuschung.

 

 

Leonard Cohen hatte später zum Lied gesagt, es sei für ihn gleichzeitig ein Gebet und eine Hymne gewesen.

 


Freiheit ist ein Wort der Polissprache.


Freiheit ist auch eine politische Kategorie als Vorrausetzung für die persönliche Freiheit. In diesem Sinn zitierte Martin:

„Die Erde der Polis selbst ist frei, und frei ist, wer auf der Polis-Erde leben darf, wo ein nomos herrscht, in dem Gewalt und Recht zur Harmonie gebracht sind.“

 

 

Das Thema Freiheit in der Oberfläche und Tiefe der Gesangbuchfrömmigkeit

Martin lud ein, zu erkunden, wie und wo dort von Freiheit die Rede ist. Denn Gesangbücher sind Dokumente der vergangenen und gegenwärtigen Frömmigkeit und als solche Gebrauchstexte der Religion, die zu allen Zeiten des Kirchenjahres Freiheit thematisieren.


 

Philobaten und Oknophile - ich bin so frei (oder auch nicht) extrem.

Martin stellte des Weiteren den englischen Analytiker Michael Balint (1896-1970) vor, der sich sehr um die Beziehung zwischen Arzt und Patient und auch der Ärzte untereinander verdient gemacht hatte. Er hat das Buch „Angst-Lust und Regression“ geschrieben, ein kleiner psychologischer Krimi auch über Menschen, die um jeden Preis in die Weite wollen: Jahrmarkt, Nervenkitzel, spannungsreich, schwindelerregende Freiheit, immer mit „risk“ verbunden. Also „ich bin so frei“ beim Segeln, Springen, Tauchen, Klettern und auf Reisen. Balint nennt diese Leute: die Freunde der großen Weite oder die Philobaten. Der Gegentyp ist der Oknophile, der Klammernde, der, der sich festhält.

Die Lösung am Schluss wäre ein Ausgleich. Beide sind Extreme, beide haben ihren Wert, hob Martin hervor. Sie bilden sich schon sehr früh heraus.

Martin hatte diese Typformen in einen Text „Vogelmenschen und Hündchenmenschen“ genannt.“

Zur Pause und zum Abschluss bewirteten Frauen aus der Gemeinde die Gäste mit einer üppigen Kuchen- und Getränkeauswahl.

 

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