Verlag Blaues Schloss Marburg

Das blaue Schloss

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5 Jahre Verlag Blaues Schloss

"Wie die Schweizer Geheimpolizei die Welt vor dem Schlimmsten rettete“
und "Der Uhrmacher Kairos",

Karl-Heinz Symon
gelesen von Stefan Gille
So, 09. Juli, 11 Uhr, Café Vetter


Ludwig Legge erzählte bei seiner Eröffnung ein wenig aus den Anfängen des Verlages, zum Beispiel, als eines Tages ins Büro der NLG, zu dem immer wieder bekannte und unbekannte Menschen kommen, ein Herr Karl-Heinz Symon kam, der ihm sagte: „Sie kennen doch Volker Benninghoff … Ich will ein Buch über den Maler machen.“ Weiteres erzählte Ludwig Legge, was auch in der Festschrift 40 Jahre NLG gut nachlesbar ist.

 

 

Prof. Dr. Horst Schwebel gab zusätzliche Informationen zum Verlag Blaues Schloss. So zum Beispiel, dass der Verlag vor fünf Jahren entstanden ist (2012). In dieser Zeit sind bisher 60 Bücher von 42 Autoren entstanden. Horst Schwebel nannte eine Reihe der Autoren auch aus der Festschrift, von denen einige anwesend waren: Ludwig Legge, Justus Noll, Elke Therre-Staal, Antje Welz, Heike Willig, Brigitte Probst, Arbogast Schmitt, Wolfgang Müller, Ralph Backhaus, Hans-Joachim Lope, Joachim Kahl, Regine Wagner-Preusse, Prinz Asfa-Wossen Asserate. Darüber hinaus fanden Tafelrunden im Auerbachhaus zu Marburg zu bestimmten Themen statt, z.B. zu Shakespeare oder EdgarAllan Poe.

 


Danach ging Horst Schwebel auf diverse Bücher der Autoren, die anwesend waren, ein. So war der erste Band, der erschien, von Annegrete Henke-Reinarz „Gezeitenwechsel“, gefolgt von Ludwig Legges Gedichtband „Chimären in der Warteschleife“, Benninghoffs Biografie „Über den Versuch, Absolutes zu schaffen“ und Hans Schauers „Monotheismuskritk“. Es schlossen sich Therre-Staals Bücher über Hannah Arendt, Regine Wagner-Preusses „Vorsicht Schule“, Alexandra Pätzolds „46 Frauenorträts“ und „Augenblicke“an, sowie Hans-Jürgen Greschats „Unterwegs zu fremden Religionen“, Herrmann Jungraithmayrs „Die Dreidimensionalität afrikanischer Sprachen", Arbogast Schmitts „Homer und wir“ und „Moral und Lust“ (letzter Band ganz neu erschienen), Christoph Friedrichs „Pharmaziegeschichte – ein Marburger Orchideenfach“, Joachim Kahls „Benedikt Spinoza“, Wolfgang G. Müllers „Detektiv, Flaneur und Dandy“ und sein Buch über Shakespeares Komödien und Tragödien, Stephan Dahlkes "Seelenspiegelungen".

 

 

 

Dann stellte Schwebel den Vortragenden dieser Lesung vor: Stefan Gille (in Marburg bekannt durch die Hörtheatrale).

„Wenn Sie schon mal den Lomonossow-Keller erlebt haben! Sherlock Holmes, Edgar Allan Poe. Was das für Auftritte sind! Da gibt es Flammen, zuschlagende Türen, Geräusche jeder Art. Das ist also ein ganz großes Erlebnis“.


Foto von Karl-Heinz Schumacher

Stefan Gille also, der Zauberer der großen Erlebnisse, las eine Satire des Marburger Verlegers K. H. Symon über Panizzas abenteuerliche Einladung im Jahre 1897 in die Schweizer Geheimdienstzentrale unter der Rütliwiese, die den ungewöhnlichen Psychiater als Berater bei ihren emsig-präzisen Aktivitäten, die Welt vor dem schlimmsten zu retten, zu gewinnen versucht. zum Film»

"Ich träumte also von der heiligsten grünen Schweizer Wiese. In dieser hat der Schweizer sein Herz begraben. Aber warum sollte man nicht von der Rütli-Wiese träumen? Also ein wenig mehr Präzision, bitte. Ganz oberhalb der Wiese war ein Kanaldeckel. Unterhalb dieses Deckels, das war der Grund seiner Existenz, lag die Öffnung zu einem ausgeklügelten unterirdischen Labyrinth, das in die Tiefe des Berges führte: die unglaublich gut versteckte Öffnung zur Zentrale der Schweizer Geheimpolizei. …"

"... Mein Vortrag war selbst für die höchsten Schweizer Reprä-sentanten so erhellend, dass schließlich der Bundespräsident persönlich an meine Seite trat und mir bei einem Gang durch die zahlreichen Gänge anvertraute, dass sich durch die ganze Schweiz ein Netz von unterirdischen Gängen ziehe, welches alle wesentlichen Punkte, vor allem die Standorte der Schweizer Bank, miteinander verbinde, sodass im Notfall, im Falle eines Überfalls auf das Land, unbemerkt und zügig der kostbare Inhalt ihrer Tresore mit all dem Gold, Geld, den Wertpapieren und Vermögen zum zentralen Ort im St. Gotthard in Sicherheit gebracht werden könne, der vor einiger Zeit extra zu diesem Zweck ausgehöhlt worden sei.
Zudem sei unter der unscheinbaren Oberfläche des Vierwaldstätter Sees tief unter seinem Wasserspiegel eine unterirdische Stadt angelegt worden, in der kurzfristig ein Großteil der Schweizer einen Angriff auf ihr heiß geliebtes Land überleben könnten.
Und für den schlimmsten Fall des Falles jedoch, ja, so freiheitsliebend sei der Schweizer, würde man der Unterjochung unter eine fremde Macht den freien Tod vorziehen.
Selbst dafür sei Vorsorge getroffen.
Zu diesem Zweck befände sich im Vierwaldstätter See an seiner tiefsten Stelle ein Stöpsel, der dann von ihm höchst persönlich in dieser Stunde der Wahrheit mittels eines Bandes, das rechts über seinem Bett hänge, gezogen werde, sodass die Wassermassen des Sees das ganze unterirdische Labyrinth binnen kürzester Zeit überfluteten..."

Nach einem musikalischen Intermezzo von Justus Noll las Stefan Gille die zweite Geschichte über einen Uhrmacher besonderer Art:

 

„Ich bin Kairós, der Uhrmacher. Das Uhrengeschäft habe ich von meinem Vater übernommen. Und der hat es von seinem Vater übernommen, der es wiederum von dem seinigen Vater übernommen hat – und immer so fort. Wenn ich mir dieses „und immer so fort“ recht überlege, könnte ich auch sagen: Dieses Uhrengeschäft hat es schon immer gegeben, solange es diese Stadt gibt und Uhren.“

Wen wundert es, dass die Uhren nicht weniger „speziell“ sind:

„Eine Sonnenuhr im Garten, der zum Geschäft gehört, warf zum Beispiel schon ihren dunklen unheilschwangeren Strich in einen alten Garten in Jerusalem. Und der Strich zitterte noch nicht einmal, als der Tempel zum zweiten Mal zerstört wurde. Danach stand diese Uhr in den Gärten von Königshäusern, bis es eben keine nennenswerten Königshäuser mehr gab. Eine andere Uhr mit kräftigem Zahnradgetriebe war im Besitz der alten Familie de Medici gewesen und nur einmal stehengeblieben vor Schreck, als die Seele von Lorenzo de Medici in den Orkus fuhr. Seitdem aber läuft sie unermüdlich und pünktlich, ja, fast so pünktlich wie jene schlichte Uhr aus Königsberg, dessen Besitzer wiederum so pünktlich war, dass die Uhr nach ihm gestellt wurde ...“

 

Und ziemlich pünktlich läutete zum Abschluss der Veranstaltung die eindringlich-selbstbewusste Turmglocke der alten Universität, damit alles in Zeit und Raum seine Ordnung habe. Selbst wenn das nicht immer der Fall sein mag. Aber in Marburg zumindest fast immer.

 

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Symon, K. H.
Wie die Schweizer Geheimpolizei
die Welt vor dem Schlimmsten rettete

Eine Auswahl von Erzählungen und Briefen
Sonderdruck
Kartoniert: 108 Seiten, 6 Farbseiten
ISBN 978-3-943556-66-7
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Zum Buch:

"Ich träumte also von der heiligsten grünen Schweizer Wiese. In dieser hat der Schweizer sein Herz begraben. Aber warum sollte man nicht von der Rütli-Wiese träumen? Also ein wenig mehr Präzision, bitte. Ganz oberhalb der Wiese war ein Kanaldeckel. Unterhalb dieses Deckels, das war der Grund seiner Existenz, lag die Öffnung zu einem ausgeklügelten unterirdischen Labyrinth, das in die Tiefe des Berges führte: die unglaublich gut versteckte Öffnung zur Zentrale der Schweizer Geheimpolizei."
(Wie die Schweizer Geheimpolizei die Welt vor dem Schlimmsten rettete)

 

"Über mangelnde Zeit also kann ich mich nicht beklagen. Und wenn man Zeit hat, dann fängt man an, nachzudenken. Ja, mich erheitert der Gedanke, dass mancher durch Kurzlebigkeit geplagte Mensch das nahezu beneidenswert finden möge. Wie hetzt gar mancher durchs Leben, um in den jämmerlichen sieben Jahrzehnten eine Einsicht, ein Verständnis seines Daseins zu erhaschen. Gar mancher treibt sein geistiges Lebenswerk voran wie ein gejagtes Tier, dem die Hundemeute Plutos auf den Fersen ist, gefolgt von den reißenden Untieren des Thanatos. Gar mancher bricht vor seinem unvollendeten Werk unvollendet zusammen. Nie klingt symphonisch die Siebte vollendet an sein Ohr."

(Scholem Weilig)

 

"Ich hatte zum Beispiel eine recht kuriose Uhr, die den Augenblick anzeigte. Eine Extravaganz eines Uhrmachers aus dem 15. Jahrhundert. Diese Uhr kam auf den Index verbotener Gegenstände der katholischen Kirche und wurde seitdem von einer Geheimgesellschaft aufbewahrt, bis die Uhr schließlich hierher gelangte, weil die Kirche nichts mehr zu sagen und somit zu verfolgen hatte. Diese Uhr nun, aus Gold und Lapislazuli, schmückte ein göttliches Auge. Das war der Rhythmus der Uhr: das sich hebende und senkende Augenlid, das den Augenblick, ewig wiederholend, sich heben und senken ließ. Das Blasphemische war nicht das Sehen, sondern eher der Moment des Nichtsehens."

(Der Uhrmacher Kairós)

 

"Erschrocken über seinen gegenwärtigen Zustand fragt sich Lord Chandos, ob wirklich er es war, der mit neunzehn Jahren jenen „Neuen Paris“, jenen „Traum der Daphne“, jenes „Epitha­lamium“ hin­schrieb, im überschäumenden Prunk der Worte, ob er es wohl war, der sich mit dreiundzwanzig Jahren unter den steinernen Bögen des großen Platzes von Venedig in seinem In­nern an jenem Gefüge lateini­scher Perioden mehr entflammte als an den aus dem Meer sich erhebenden Bauten des Palladio und Sansovin? Wie war ihm, nur wenige Jahre später, alles fremd, fern und kalt geworden."

Zur Erinnerung an Lord Chandos

 

"Ich hörte von einem Gott – der Name … einen Moment bitte … ist mir entfallen –, der von seiner Taube hörte, die wiederum … Sie hören, sehen oder lesen, … ich kann mich in solche Dinge recht schwer hineindenken, jedenfalls wurde mir von Geschehnissen berichtet, aus der Vergangenheit, Gegenwart oder etwa Zukunft? Schwer fällt es mir, das Umdenken in die Zeit. Ich mache es nur, um Ihnen zu schreiben … und Chronos zuliebe!"

(Briefe aus dem Diesseits an den Herrn Professor der Theologie)


 

Zur Hörtheatrale»


Uni im Café 21
Schmitt, Arbogast
Moral und Lust
Eine Kultur des Gefühls
als Grundlage der Ethik
bei Aristoteles
Kartoniert: 66 Seiten, 2 Farbabbildungen, 1 s/w Abbildung
ISBN 978-3-943556-67-4
Preis: 8,50 €
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Zum Buch:

Die Überzeugung, dass moralisches Handeln zuerst ein 'Handeln zugunsten anderer' sein müsse, hat trotz der allgemeinen Skepsis über das, was überhaupt Moral sein soll, breite Zustimmung. Moral verbindet man mit der Erfüllung von Imperativen und Pflichten. In deutlichem Unterschied dazu bestimmte Aristoteles Moral als den Bereich von Lust und Unlust. Er redet damit allerdings keinem primitivem Glücksegoismus des Einzelnen das Wort. Ein richtig verstandener Egoismus und Altruismus fallen für ihn vielmehr zusammen. Denn höchste Lust empfindet seiner Meinung nach der, der sich selbst möglichst vollkommen verwirklicht. Um das zu erreichen, müsse man von Kindheit an dazu angeregt werden, 'das wirklich Angenehme schmecken zu lernen'. Wer auf diese Weise eine auf dieses Ziel hin ausgerichtete Ordnung der Lüste erreicht habe, sei nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gemeinschaft, in der er lebt, im besten Zustand (griechisch: Areté).

 

Zum Autor:

Arbogast Schmitt, Professor für Literatur und Philosophie der Antike an der Universität Marburg sowie an der FU Berlin, setzt die platonisch-aristotelische Erkenntnistheorie mit der Erkenntnistheorie der Neuzeit in ein Verhältnis und untersucht das jeweilige Verständnis von Ästhetik, Ethik und Politik.
Weitere Forschungsschwerpunkte sind das homerische Epos, die attische Tragödie und die Dichtungstheorien der Antike und deren Widerspiegelung in der Moderne.