Verlag Blaues Schloss Marburg

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Ludwig Legge:

"Meine Damen und Herren, herzlich willkommen
zu unserer Stunde mit Hera Lind!

Auf ihrem Plakat war es zu lesen: 'Best of Bestsellers'. Und in der Tat, sie wird viel darüber erzählen. Hera Lind hat inzwischen über 15 Millionen Bücher verkauft und ist damit sicherlich eine der erfolgreichsten Autorinnen.

Viele von ihnen werden natürlich Titel kennen wie „Ein Mann für jede Tonart“ oder das „Superweib“. Sie hat zunächst Theologie und Germanistik studiert, auch an der Hochschule für Musik in Köln Opern- und Konzertgesang. Sie hat viele Jahre diesen Beruf ausgeübt. Sie wissen, dass sie auch als Moderatorin im und als Filmschauspielerin im Fernsehen aufgetreten ist. Also man kann sagen: ein Multitalent.

Es bedarf der Erwähnung, dass sie seit einiger Zeit ihr Sujet gewechselt hat. Tatsachenromane. Und wir haben hier das jüngste Buch von ihr „Über alle Grenzen“. Es handelt sich um das Schicksal einer Familie, die aufgrund der Stasi usw. in Schwierigkeiten sie geraten ist. Um Weiteres über die Geschichte zu erfahren, rate ich Ihnen zur Lektüre des Buches. Es ist eine bewegende Geschichte.

Frau Lind hat übrigens im Nachwort ausführlich erklärt, wie sie Tatsachenromane schreibt. Ein interessanter Einblick in ihre Werkstatt. Dabei sieht man: Tatsachenromane sind keine Dokus. Es sind künstlerische Produkte. So hat Hera Lind in „Über alle Grenzen“ die Geschichte zweier Familien zu einer verbunden.

Genug jetzt meiner Vorreden. Hören Sie nun Hera Lind!“


„Ich muss mich heute bei Ihnen erst einmal vorstellen,
denn ich heiße eigentlich gar nicht Hera Lind ...“,



... so begann die "Enthüllungsgeschichte". Den Namen Hera Lind habe sie sich irgendwann zugelegt. Und wie es dazu kam? Ihr Name sei Herlind. Sie war vor 61 Jahren ein unschuldiger Säugling weiblichen Geschlechts, ihre Eltern nannten sie Herlind. Unter Herlind habe sie ihr Leben gefristet, und sich oft nicht sehnlicheres gewünscht als wenigstens Fraulind zu heißen. Als Herlind Wartenberg habe sie also zuerst auf Lehramt studiert, eine ganz brave Tochter wie sie war, und dann hatte sie durch Zufall einen zweiten Preis bei einem Bundeswettbewerb für Gesang gewonnen. Da dachte sie: „Du kannst wohl singen“. Daraufhin studierte sie Gesang an der Kölner Musikhochschule. Ihr Leben wurde ziemlich spannend mit ihren Tourneen als Konzertsängerin durch die ganze Welt, unter anderem auch um 1992 in Marburg, aber auch in Südamerika, Israel, Amerika. Also das Leben wurde richtig schön und sie sang 16 Jahre lang hauptberuflich als Altistin …



Foto: K.H.Schuhmacher

Über eine Stunde surfte Hera Lind über die das Auf und Ab der Wellenberge ihres Herlind- und Hera-Lebens gleichermaßen unterhaltend wie lehrreich. Denn Hera Lind konnte mit ihren ungewöhnlichen Anekdoten veranschaulichen, dass die Bewertung eines Ereignisses für sich allein recht einfach sein mag, jedoch in Bezug auf das daraus Folgende dann wieder überraschen anders sein kann: Also, dass eine Katastrophensituation direkt in die rettende Arme des Glücks führen kann. Dafür gab sie aus ihrem Leben reichhaltig Beispiele




Hera Lind, so unzerstörbar wie der rosarote Panther

Man kennt ihn doch; er stolperte durchs Leben; fällt von hohen Mauern, und hohe Mauern fallen auf ihn. Er ist platt wie ein Stück Papier, schüttelt sich dann, springt auf und rennt von vorne los. Das ist Hera Lind! Hera Lind hat den Panther im Buch!

Der Albtraum des Lichts, die Nachtmär des Stars ist sein Schatten. Nicht so bei Hera Lind. Heras Kosmos kann nicht durch Einsteins Relativitätstheorie beschrieben werden. Bei ihr werden selbst die Schrecken der schwärzesten Löcher zu Bestsellern.

Vielleicht ist das das Benzin oder die Sogkraft ihres Schreibens, dass sie im Leser oder in der Leserin, die private Hoffnung auf die die eigene Unzerstörbarkeit entflammt. Einmal so sein wie der rosarote Panther!

Denn der rosarote Panther ist gewissermaßen der Anti-Mensch, ja die Anti-Welt. All das, was den tatsächlichen Menschen in der tatsächlichen Welt gefährdet, zerstört, ihn zum Scheitern bringt, das übersteht er oder sie wie die Protagonistin in Hera Linds Romanen. In jenen Romanen, bevor sie zu den Tatsachen kam oder zu den Tatsachenromanen.




Handwerk und Literatur

Beim persönlichen Plaudern mit Hera Lind kam das Gespräch auch auf Literatur. Hera Lind war recht zurückhaltend. „Literatur“, - sie sagte das Wort so, wie eine Frau vor dem Schaufenster eines Juwelierladens: „Brillant“ sagt - und dann: „Ich habe nur ein Handwerk.“

Hera Lind hat mehr. Das deutet sich bereits in ihren „Tatsachenromanen“ an. Und Literatur begegnet man selten im Juwelierladen, sondern eher in einer gottverlassenen Tankstelle an einer endlosen, leeren Straße, an so einer road of life, von der die großen amerikanischen Autoren zu erzählen wissen.

Wird Hera Lind noch die wahre Hera Lind entdecken? Vielleicht lohnt sich das Warten. Ein Warten wie im Kreissaal. Und das in ihrem Alter?

Ja, genau! Denn eine Mutterschaft lächelt milde über das Alter: Die „Mutterschaft der Literatur.“

Ein neues Ziel für eine neue Hera?

Der rosa Panther drückt Hera Lind die Daumen.