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Oberhessische Presse Marburg 09.05.2015

„46 x Frauenporträts“ von Alexandra Pätzold

Feministin porträtiert Frauen

Von treu und bunt über wartend oder opferbereit bis hin zu schön und naiv – von weiblichen Eigenarten erzählt Alexandra Pätzold in ihrem Buch „46 x Frauenporträts“.

Ayana Goldstein und Ekkehard Dennewitz
lasen aus dem Buch „46 x Frauenporträts“ von Alexandra Pätzold.

Marburg. „Schön, lieb, treu und naiv …“ lautete der Titel der unterhaltsamen Lesung am Dienstag in der Waggonhalle, die rund 50 Zuhörer gebannt verfolgten. Auszüge aus dem Werk „46 x Frauenporträts“ von Alexandra Pätzold gaben die Schauspieler Ayana Goldstein und Ekkehard Dennewitz zum Besten. Der ehemalige Intendant des Hessischen Landestheaters war kurzfristig für seine Frau Uta Eisold eingesprungen.

Mal skurril oder tragisch, mal emotionsgeladen, täppisch oder einfach nur dumm sind die Frauentypen, die Alexandra Pätzold in ihrem Buch mit kurzen Glücks- und Unglücksgeschichten porträtiert.

Im steten Wechsel führten die beiden Schauspieler dem Publikum eine Vielfalt an vermeintlich klassischen weiblichen Charakterzügen vor Augen. Anhand von erdachten Gesprächen stellten sie Frauen vor, die mal naiv, mal zielsicher, abstoßend, verzweifelt oder einfach amüsant schamlos aus ihrem Leben berichteten.

So steht etwa Ute mit beiden Beinen fest im Leben, während Iris, „mit dem Mittelscheitel“, sich in Gehorsam übt, Clara dagegen das männliche Begehren zu nutzen weiß. Dagegen schlägt Nina, „die lustige Nudel, die gerne auch mal zur Rampensau wird“, einen anderen Weg ein, während Edeltraud mit ihren 80 Jahren und einer solch schamlosen Lache, dass es „Freund und Feind erschreckt“, einfach Spaß am Leben hat. Für musikalische Abwechslung zwischen den Kapiteln sorgten Clara Pilgrim und Hannah Brazel von der Marburger Musikschule mit stimmungsvollen Stücken am Flügel.

Treffsichere Titel für Frauenbilder

Dem Publikum gefiel die emotionsgeladene, abwechslungsreiche Lesung. „Die einzelnen Geschichten waren interessant, eine ganz andere Art der Literatur“, sagte etwa Dagmar Pfeil. „Die Zeit verging wie im Flug, es war kurzweilig und spannend“, lobte Irmi Peterhoff. „Es sind sehr unterschiedliche Charaktertypen, mit denen der eine mehr anfangen kann als der andere, aber für jeden war etwas dabei“, meinte Rainer Kreye.

Treffsicher betitelt Autorin Alexandra Pätzold in ihrem Buch die Vorstellungen über Frauen­bilder. Die Kunsthistorikerin und Gesprächstherapeutin porträtiert in ihrem Buch 46 eigentlich fiktive, doch in vielerlei Hinsicht real glaubhafte Persönlichkeiten. Dabei spielt sie geschickt mit allerhandz Eindrücken, Momentaufnahmen, Lebensgeschichten, stellt unterschiedlichste Charaktere, Gemütsverfassungen und Erscheinungsbilder prägnant vor.

Die Frauen verschiedenen Alters berichten aus ihrem Leben, von Glücksmomenten und Tragödien. Mal handeln die „Interviews“ von euphorischem Liebesgeturtel, mal von dramatischen Erlebnissen, von Mutterglück oder skurrilen Wesensarten.

„Als alte Feministin“ habe sie bereits vor Jahren typische Geschlechter-Zuschreibungen aus einem engstirnigen, gesellschaftlichen Weiblichkeitsentwurf gesammelt, erklärt die Autorin. Die Interpretation der verschiedenen Charakterzüge, gesellschaftlich dogmatisiert oder leichthin belächelt, drückt sie in jedem Kapitel mit einem knalligen Begriff aus: lieb, naiv, Herz, dumm, treu, schön – und vielen anderen. Jedem Titel ordnet sie wiederum je nach entsprechendem Anfangsbuchstaben eine Handvoll Frauennamen zu.

  • Alexandra Pätzold: „46 x Frauenporträts“, Verlag Blaues Schloss, 116 Seiten, 12 Euro.

von Ina Tannert


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