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Oberhessische Presse 25.09.2012

Buch von Joachim Kutschke

„Eine Reise in die Vergangenheit“

Drei ältere Männer der Nachkriegsgeneration beschließen auf Mallorca ihr Leben zu resümieren. Inwiefern sie ihre Chance genutzt haben müssen die Leser von Joachim Kutschkes Roman entscheiden.

Bild Kutschke

Marburg. Drei alte Jugendfreunde, die zur Nachkriegs-generation gehören und nicht mehr den Weg in die 68er Bewegung fanden, treffen sich zufällig wieder. Sie beschließen spontan zusammen nach Mallorca zu fliegen, um dort ihre Freundschaft aufzufrischen. Sie wollen in den guten alten Zeiten schwelgen. Hingegen kommen ungeahnte Geheimnisse zum Vorschein. Diese drehen sich hauptsächlich um die Schönheit Hilla, in die sie damals alle verliebt waren. Wenn die Wahrheit schon früher ans Licht gekommen wäre, wäre ihr Leben womöglich anders gelaufen.

Die drei Männer, geboren in der Provinz- und Industriestadt Hanau, träumten von einem anderen Leben, als das ihrer Eltern. Sie wollten raus aus der Provinz, hinaus in die Welt und ihre Träume und Fantasien realisieren. Doch alle drei wurden von ihren Eltern zu einem ordentlichen Schulabschluss und einer Ausbildung gedrängt. Ob sie nun Versicherungsvertreter, Bankkaufmann oder Leiter einer Auto-Werkstatt wurden - sie alle machten Karriere.

Der Autor Joachim Kutschke will mit diesen Beispielen „einen Gegenakzent gegen die Linken-Bewegungen von damals setzen“. Diese Bürgergruppe sei untergegangen in den ganzen 68er-Bewegungen, sagt Kutschke. Sie sei als „Spießbürger“ abgewertet worden.

Zudem spielt in dem Roman die Alterssexualität von Männern eine Rolle. Kutschke hat in seinem Roman versucht offenzulegen, dass alte Männer den Wunsch nach Jugend hätten und sich ihre Fantasien viel mehr „im Kopf abspielen“ würden. Männer seien also keine „Tiere“, wie es vielleicht manche Feministinnen bezeichnen würden.

Zu dieser Sexualität gehört auch Homosexualität, die sich die Männer damals nicht zu outen trauten und auch nicht konnten. Diese „Sache“ trugen die Männer dann ein Leben lang mit sich herum und hatten sogar Frau und Kinder. Sie lebten ein Leben in Lüge.

Kutschkes Stil zeichnet sich durch die Präzision seiner detaillierten Beschreibungen aus. Der Leser kann sich bildhaft und nahezu real vorstellen, wie einer der Protagonisten schwitzend, nicht mehr top in Form und alternd seine Joggingrunden zu absolvieren versucht. Genauso kreativ ist er darin, Umschreibungen für Dinge wie McDonalds, „die Futterkrippe der modernen Zivilisation“ oder die Hosen der Jungen, die bei jedem Schritt „unter die Speckpolster ihrer Hüftknochen“ rutschen, zu finden. Diese Präzision führt leider dazu, dass die Handlung durch endlose Sätze stockt.

Joachim Kutschke, der 1944 in Darmstadt geboren wurde und seine Kindheit und Jugend in Hanau und Frankfurt verbrachte, hat versucht mit seinem Roman die „alten Zeiten“ aufleben zu lassen und seiner Generation ein Denkmal zu setzen. Ob ihm dies gelungen ist, kann wohl nur die „Nachkriegsgeneration“ beantworten. Der heute in Marburg lebende Autor studierte unter anderem Germanistik in Marburg und arbeitet bis heute als freier Mitarbeiter bei Funk und Presse. Erschienen ist sein Roman im jungen Marburger Verlag Blaues Schloss.

Foto: Der Marburger Autor Joachim Kutschke blickt zurück auf die Nachkriegsgeneration. Privatfoto

Joachim Kutschke: „Wiedersehen auf Mallorca“, Roman, Verlag Blaues Schloss, 403 Seiten, 22 Euro.

von Caroline Döschner

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