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Oberhessische Presse 11.09.2012

Hochadel auf Spuren des großen Vorfahren

Feldherr, visionärer Philosoph, künstlerischer Feingeist - Friedrich II. gehört zu den herausragendsten Figuren der deutschen Geschichte. Kaum jemand aber weiß, dass er ein Tierfreund war.

Bild Prinz zu PreussenMarburg. Friedrich der Große liebte Tiere. Sie standen ihm sogar näher als die eigenen Verwandten. „Affen, Pferde, Papageien, ein Dromedar, ein Pudel und nicht zuletzt seine kleinen Windspielhunde waren ihm seit seiner Jugend vertraute Gefährten“, heißt es im Vorwort des Buches „Friedrich der Große. Vom anständigen Umgang mit Tieren“. Friedrich Wilhelm von Preußen und seine Ehefrau Sybille Prinzessin von Preußen waren am Sonntag im Café Vetter zu Gast bei der Neuen Literarischen Gesellschaft.

Friedrich der Große stand zu seinen Lebzeiten mit seiner Tierliebe auf ziemlich einsamem Posten. Sein Vater König Friedrich Wilhelm I. wie auch die meisten seiner adligen Zeitgenossen hätten ein recht grausames Verhältnis zu Tieren gehabt, erzählte die Prinzessin: „Nicht nur für den sogenannten Pöbel, sondern gerade auch für den gelangweilten Adel und Hochadel zählte Tierquälerei zu einer besonders intensiven Form der Unterhaltung.“ So hätte es beispielsweise in Paris am Johannistag zu den Belustigungen des Hofes gehört, Katzen unter großen Getöse lebendig zu verbrennen. „Zu dieser Zeit dienten Tiere dem Menschen als Ventil seiner eigenen Gestörtheit, seiner pervertierten Aggression und Erotik; sie wurden lustvoll - auch unter ernstem Vorwand - verachtet, gequält und ermordet“, betonte die Prinzessin. „Der Philosoph René Descartes hatte mit seiner Philosophie der Tierverachtung eine Scheinlegitimation dieser Brutalität geliefert“, erklärte der Prinz. „So verfügte seiner Ansicht nach einzig der Mensch über eine Seele.“ Tiere galten als empfindungslose Maschinen. Im 18. Jahrhundert sei die Akzeptanz dieser Theorie des Tieres als empfindungslosen Automaten enorm gewesen, sie habe jeglichen brutalen Umgang mit der Kreatur gerechtfertigt.

Wider den Geist seiner Zeit habe sich Friedrich der Große jedoch die Empfindung, dass Tiere Herz und Leidenschaft besitzen, erhalten - und sei dafür verlacht worden. „Des Kronprinzen lang verhöhnte Tierliebe wurde im Laufe der Zeit durch diverse Philosophen bestärkt“, so die Prinzessin. Ab seinem Regierungsantritt im Jahr 1740 nutzte er seine Macht, um sich für den Tierschutz einzusetzen. Da er die Jagd verabscheute, verwandelte er die alten Jagdreviere in Parks. „Und vor dem Hintergrund der französischen Revolution förderte er die Entwicklung einer tiermedizinischen Ausbildung in Preußen, wodurch der bis dato äußerst brutale Umgang mit Tieren fundamental verändert wurde“, berichtete der Prinz.

Nach der gut einstündigen Lesung herrschte unter den etwa 60 Zuhörern die einhellige Meinung, dass die beiden Autoren eine unbekannte Seite des Königs von Preußen interessant vermittelten. Die Reise in das 18. Jahrhundert gestaltete sich für die Gäste umso spannender, weil mit Friedrich Wilhelm von Preußen ein Nachfahre von Friedrich dem Großen auf dem Podium Platz genommen hatte. Gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Sibylle Prinzessin von Preußen befasst er sich seit Jahren mit dem Leben des preußischen Königs.

von Kathrin Wollenschläger
Sybille Prinzessin von Preußen und Friedrich Wilhelm von Preußen
lasen im Café Vetter.
Foto: Katrin Wollenschläger

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