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Bildungsbürger im Satire-Spiegel

Aus: Herborner Tagesblatt Montag, 3. Februar 2014

Hohe Schule Horst Schwebel liest aus seinem Werk „Der Durchstreicher“
VON JENNY BERNS

Herborn (-). Neun Geschichten über Künstler, Kritiker, Theologen und andere illustre Individuen hat Horst Schwebel in seinem 2012 erschienenen Debüt-Werk „Der Durchstreicher“ zu Papier gebracht. Vier von ihnen trug er am Freitag bei seiner vom Kunst- und Literaturverein veranstalteten Lesung in der Hohen Schule vor und, brachte die Zuhörer dabei ordentlich zum Schmunzeln.

Bild Härtl„Krawel, Krawel“; hätte man an der einen oder anderen Stelle des Vortrages dazwischenrufen mögen. Denn eine Brise der loriotschen Satire auf das deutsche Bürgertum findet sich auch in den Kurzgeschichten Schwebels.
Dabei ist der 73 jährige weder gelernter Kabarettist noch altgediegener Literat. Vielmehr hat der 1940 in Frankfurt geborene Professor dereinst Philosophie, Theologie und christliche Archäologie studiert. Bis zu seiner Emeritierung lehrte er Praktische Theologie und war Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst in Marburg. Auch als Kunstsachverständiger sowie als Kurator hat er sich einen Namen gemacht.

„Zum Glück tauchten Personen auf, die sich wegen einer solchen Blasphemie erregten und in Zeitungen böse Briefe schrieben...“ (aus „Der Durchstreicher"). „Manchmal möchte man etwas was Ironisches erfinden und dann stellt man fest ‚Das gibt es ja wirklich‘ “, resümiert der Autor über seine Dichtung, und so konnten die Zuhörer natürlich auch im „Durchstreicher" gewisse Parallelen zur Documenta 2012 erkennen.
Bild Härtl
Eine andere Erzählung Schwebels wiederum handelt von einem Mann, der sich einen arbeitslosen Theologen zulegt, den ihm die Kirche aber wieder abspenstig macht, denn: „Hätte ich ihn jedoch damals (...) nicht zu mir genommen, hätte sich keiner von den Kirchenleuten für ihn interessiert. So aber, (...) war er für die Kirche ein Politikum und ein Problem...“ (aus: „Ich kaufte mir einen Pfarrer“).

Der Autor arbeitet
mit einer gehörigen Portion
Augenzwinkern

Tiefgründig und mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern sind diese Geschichten erzählt, und so mussten am Abend auch die Zuhörer während Schwebels Vortrag immer wieder schmunzeln und Bisweilen sogar herzhaft lachen.
Den mehr als 20 Besuchern gefiel dabei vor allem das fiktive Telefongespräch, bei dem ein Baron einen Doktortitel für seinen Sohn erwerben möchte. Eine literarisch sehr lebendige Episode, die vielleicht auch deshalb so gut ankam, weil sie die kurzweiligste der vier vorgetragenen Geschichten war.

Bild SchwebelBild Publikum in Hereborn

 

 

 

 

 

 

 

 

Denn diese sind, trotz gelungener Satire, bisweilen etwas ausführlich und der eine oder andere Schluss könnte pointierter sein. Dennoch sind es meisterliche Erzählungen, die ein amüsantes Lesevergnügen bieten.

Fotos: Verlag Blaues Schloss

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