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Kreuz-WEG-Stationen

Passionszeit mit Bildern von Hans-Martin Barth

Einführung: Prof. Dr. Malte Dominik Krüger

in der Lutherischen Kirche St . Marien Marburg

Eröffnung 14. 02. 2018

Zur Ausstellung Kreuz - WEG - Stationen begrüßte Pfarrer Ulrich Biskamp in der lutherischen Pfarrkriche St. Marien die Besucher. Der Theologe und Maler Hans-Martin Barth sprach seinen Dank an die Mitwirkenden aus. Professor Malte Dominik Krüger gab eine Einführung in das ausgestellte Bildwerk von Barth. Die musikalische Begleitung am Klavier präsentierte der Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum.

 

 

Impressionen zu einem

"Abendmahl in der Hölle"

Oder: wenn Unmögliches möglich wird …

 

Manchmal geht man alle Möglichkeiten durch. Der Schachspieler die Möglichkeiten seiner Figuren und der Schauspieler die Möglichkeiten seiner Figur. Der Kaufmann und der Chirurg die möglichen Risiken eines Geschäftes oder einer Operation; der Soldat die Möglichkeiten seines Überlebens im Kampf; der Kapitän die Möglichkeiten der Rettung beim Sinken seines Schiffes; der Delinquent in der Todeszelle in der Nacht vor seiner Hinrichtung die Möglichkeiten seiner Todesschmerzen.

Das ist der Fluch und der Segen unseres Geistes, oder unserer Einbildungskraft, oder umgangssprachlich unseres „Gripses“. Da hat es der Grips in der Birne noch gut. Die schöne, rotwangige Birne mag zwar am Aste sehr hoch im Himmel, aber auf der Bewusstseinsleiter recht unten auf den Stufen vor sich hinschlummern können oder dürfen. Sei es ihr vergönnt.

Aber zu wissen, was möglich ist, kann seine Vorteile und seinen geistigen Nährwert haben. So ging der Pfarrer Ulrich Biskamp in seiner Einleitung zur Eröffnung der Ausstellung in der Lutherkirche die Möglichkeiten des Verständnisses des Themas „Kreuz - WEG - Stationen“ durch. Von Weg bis weg und mit und ohne Kreuz, der Weg als Kreuz, das Kreuz am Weg, der Weg als Ziel, das WEG der Kreuze, wenige Kreuze als Vorahnung des WEG. Passionszeit mit und ohne Kreuz, der Weg des Theologen Barth, sein Weg in die Welt und sein Weg in die Kunst. Stationen ohne Weg und WEG? Weg oder WEG mit dem WEG! Was für ein Kreuz!

Und der Theologe und Maler Barth ging in seiner ihn auszeichnenden Freundlichkeit alle Möglichkeiten der Danksagung durch, an die Mitwirkenden der Ausstellung gerichtet; indessen in den möglichen Freiräumen der Vortragenden der Pianist und Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum am pechschwarzen Klavier hellste perlend-pointierte weiße Tonfolgen taubengleich wie zwischen Kathedralsäulen aufflattern ließ, zum Wohlgefallen des Herren, der über uns wohnt, falls er mal nicht weg ist.

Dass hiermit noch nicht alle himmlischen und irdischen Möglichkeiten erschöpft waren, ermöglichte in Folge die komplex-zugängliche Einführung des Theologen Malte Dominik Krüger, der nun die Möglichkeiten Luthers als Familienmitglied durchging und die mögliche Schwere der einfachen Dinge, wie der Blick auf die Endlichkeit. Den eigenen Blick aufs Leben, den Luther habe, ohne ein lamentierender Lebensverachter zu werden. Ein Empfänger der Freude an der Musik, an der Dichtung und an Bildern. Bilder seiner Familie, seiner Tochter Magdalena, wie das Bild „Ermutigung“ als ein Gegenüber zur Anstrengung des Daseins. Auch die Bilder von Vater, Mutter und Käthe. Bilder als irdische Spiegel der göttlichen Zusage an die Welt. Nicht nur als vermeintliche Wirklichkeitswiedergabe, sondern als Verdoppelung. Als verdoppelter, für den Maler Barth sich öffnender Freiraum von spontaner Kreativität. Freiheitserleben! Kontrafaktische Freiheit! Spielerische Einbildungskraft! Keine Abstellkammer für die systematische Theologie in einer vom Staub unerschütterten Rationalität und Konsistenz. Malerei als Entdeckung und Eröffnung der Schatzkammer der Einbildungskraft mit handgreiflichen materiell leibhaftigen Dingen für die Sinne und den Sinn. Eine Einbildungskraft, die dem Kopf zuvorkommt und das Ego öffnet.

Aller genannten und ungenannten Möglichkeiten nicht genug. - Werden aber Möglichkeiten maßlos, schlagen sie in Unmöglichkeit um. Zuviel der Phantasie oder der Einbildungskraft lässt zum Münchhausen werden, als der man plötzlich glaubt, auf einer Kanonenkugel sitzend über den Feind hinwegzufliegen. Was aber nun, wenn man die Unmöglichkeit wieder umkehrt, sie also wieder ins Mögliche zurückholt? Ich ziehe also den Rückflug von Münchhausen in Betracht. Was also passiert, wenn Unmögliches möglich wird?

Passiert das überhaupt? Nun ja, Martin Barth hat es passieren lassen. Nicht als Theologe. Gott bewahre! Wobei das noch eine gewisse Plausibilität haben würde, wenn auch der Wunderglaube bei den Protestanten, so habe ich einige Engel sagen hören, recht unmöglich ist. Nein, die Chance Unendlichkeit in der Theologie dort unten begründbar passieren zu lassen, werde zumeist verpasst. So die kleinen Religionsgespräche über den Wolken direkt über dem Marburger Schloss. Der Theologe Martin Barth hat das Unmögliche anstatt in der Theologie hingegen auf einem Bild passieren lassen. Nicht als Theologe also, sondern als Maler hat er das Wunder vollbracht. Da wäre vor Staunen ein zu neugieriger rotwangiger Engel fast von seiner weißen Wolke gefallen. Aber die Kunst war schon immer Gottes liebster Engel. Was den Dichter Rainer Maria Rilke, auf die Frage, was die Aufgabe des Künstlers sei, sagen ließ: „Zu preisen!“ Heutzutage im Angesicht der Welt wahrlich, wahrlich, ich sage euch, eine fast unmögliche Kunst.

Bleibe ich bei der Möglichkeit, die Barth als Maler passieren ließ. Was? Wie? Wo geschah es? Im Bild: „Abendmahl in der Hölle.“ Hat das Bild bereits etwas benzinhaft Entflammbares, so ist der Titel die brennende Lunte für das Inferno. Das haben auch recht schnell einige Betrachter bemerkt, die sich spontan vor dem Bild scharten und in ein reges Gespräch verfielen. „Geht das überhaupt?“ „Wäre dann in der Hölle die Hölle nicht mehr?“, „Ist das wie ein Etwas im Nichts?“ „Ist das wie ein Ende in der Endlosigkeit des Schmerzes?“ „Was heißt das: hinabgefahren in die Hölle? … am dritten Tage auferstanden von den Toten ... “ „Wo? Dort? Ist das ein Bild davon? Eine Imagination? Reine Einbildungskraft? “ „Eine Fata Morgana ohne Wüste?“ „Ein Hirngespinst ohne Hirn?“

Sehen Sie selbst! Überlegen Sie selbst! Gehen Sie in die Hölle, pardon, ich meine in die Lutherkirche und gehen Sie die Möglichkeiten durch. Ihre Möglichkeiten. Denn wir sind alle Delinquenten in einer Todeszelle und imaginieren, nicht in dieser zu sein, nicht die letzte Nacht erleben zu müssen und den Morgen danach … obwohl das eigentlich jedes Kind weiß … das aber im Moment dieses Wissens kein Kind mehr ist. - Selig sind die rotwangigen Birnen im hohen Birnbaum, denn ihnen ist das Himmelreich.



 

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Hans-Martin Barth

Mit Farbe spielen

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K. H. Symon
Wenn Farbe einen Weg weist
Brief an den Theologen Hans-Martin Barth
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