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Hermann Hofer
zum 80. Geburtstag

Sonntag, 27. Januar 2019, 11 Uhr, Rathaus, Marburg
Historischer Saal


 

 

Foto: Karl-Hans Schumacher

 

Begrüßung durch den Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies

„Gerne stellt Marburg seinen schönsten Raum für besondere Ereignisse zur Verfügung. So für die Feier des 80. Geburtstages des Romanisten Hermann Hofer. Marburg ist eine Stadt, in der Sprache, das gesprochene und geschriebene Wort, eine hohe Bedeutung hat. Wir sollten uns wünschen, das wäre überall so.“

Als Beispiel für die Wichtigkeit der Sprache erinnerte der Oberbürgermeister an seinen Großvater, der noch über 2000 Gedichte aufsagen konnte. „Als er nach dem Krieg in ein Internierungslager kam, hat er jeden Morgen um elf ein Gedicht vorgetragen und erläutert, was in der Situation viel Halt und Zuversicht gab.“

Einen weiteren Grund „die Schönheit der Sprache, die Schönheit der Literatur weitaus mehr pflegen zu müssen als wir es tun“, führte Spies mit schlußkräftigen Worten an: „weil die Verarmung der Sprache eine Verarmung des Denkens bedeutet“.

In diesem Zusammenhang sprach Dr. Spies seinen Dank für die Arbeit der Neuen Literarischen Gesellschaft und Herrn Hofer aus, „weil Ihre Arbeit, Ihr Werk dazu beigetragen hat, das zu fundieren, zu verbreitern und nahezubringen.“
Dr. Spies beendete seine Ansprache mit einem Wink an die Politik: „Es wäre einfach schön, wenn wir manchmal, im Stadtparlament, so dichterisch sprechen würden, wie manche Dichter sprechen“ und verwies damit auf den Jubilar Hermann Hofer.


Foto: Karl-Hans Schumacher

 

 

Einführung Ludwig Legge:

Hermann Hofer hat Lyrik geschrieben. Er hat Romane geschrieben. Er hat auch und eine unübersehbare Reihe von Essays über die französische Literatur verfasst.

"Ganz wichtig ist die Wiederentdeckung von Barbey d'Aurevilly.Da hat er nicht nur die Korrespondenz herausgegeben, sondern auch zahlreiche Bücher von ihm übersetzt. Wer bei seinen Vorträgen über Balzac, Stendhal, oder den eben genannten Barbey d'Aurevilly im Café Vetter in der Reihe "Uni-im-Café" war, der weiß, dass Hermann Hofer immer wieder neue Aspekte zu den Werken der großen französischen Literatur beitragen kann.

Sein Wirken diente einer großen deutsch-französischen Verständigung. Da traf es sich gut, dass Hermann Hofer aus dem Jura aus der Welschschweiz stammt, gleichzeitig auch bikulturell deutsche Literatur studieren konnte. Er war zunächst Lehrer, auch dann noch, als er bereits promoviert und habilitiert war.

 

Er hatte das ganz große Glück, in Paris berühmte Autoren wie Jean Paul Sartre und andere kennenzulernen. Ihm ist die große Ehre widerfahren, dass er nicht nur, wie viele verdiente Romanisten in Deutschland die Prix Palmes académiques von Mitterand persönlich bekam, nein, er wurde mit dem Ritterkreuz des höchsten französischen Ordens, der Ehrenlegion (LÉGION D'HONNEUR), von Chirac ausgezeichnet.

Meine Damen und Herren, es war der Wunsch unseres Jubilars, der sich so für das Werk von Berlioz eingesetzt hatte, heute ein Lied von ihm zu hören. Ich bin sehr froh, dass wir mit Frau Marion Clausen eine Sopranistin gewonnen haben, und da es sich hier um eine Klavierpartitur handelt, wird sie der Ihnen allen bekannte Justus Noll begleiten.

Lieber Hermann, eine schöne Veranstaltung wünsche ich Dir."

 

 

 


Foto: Karl-Hans Schumacher

 

 

 

Hermann Hofer verbrachte eine zweisprachige und bikulturelle Jugend in der Franche-Comté, im Jura und in Bern. Früh prägten ihn seine verwandtschaftlichen Einbindungen in die Familien von Romain Rolland und Georges Bernanos. Nach dem Abitur und Aufenthalten in Italien studierte er Romanistik, Germanistik, Philosophie, Musik- und Kunstwissenschaft in Frankreich und in der Schweiz. Zu seinen prägenden Lehrern gehören Minder, Fabre, Alquié, Petit, Messiaen, Walzer, Gauss, Hahnloser, Boutière, Wahl, Kohlschmidt und Heinimann.

Ab 1961 war Hofer Lehrer in Brienz, Signau, Saint-Denis und – bereits summa cum laude promoviert und habilitiert – in Bern bis 1974. Aus der Berner Zeit rührt seine wichtige freundschaftliche Beziehung zu dem Theologen, Autor und späteren Kardinal Hans Urs von Balthasar. In dieser Zeit entwickelte er auch eine intensive literaturkritische Tätigkeit für den Rundfunk (für die Schweizerischen Sender Sottens und Beromünster wie auch für France Musique) und für Zeitungen (Neue Zürcher Zeitung, Le Monde). In Paris hatte er das für ihn entscheidende Glück, Bekanntschaften und Freundschaften schließen zu können mit Sartre, André Malraux, Clara Malraux, Georges-Arthur Goldschmidt, Chabaneix, Marcel und anderen wichtigen Autoren der Zeit.

1968 zeichnete ihn die Académie de la Manche mit dem Prix Barbey d’Aurevilly für seine Verdienste um die Wiederentdeckung dieses Autors aus, dem bis heute Hofers große wisssenschaftliche Neugier gilt.

Von 1974 bis 2004 war Hofer Professor für französische und provenzalische Literaturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, wo er trotz seiner Rufe nach den USA und Frankreich blieb. Mehrmals wurde er zum Dekan des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien und zum geschäftsführenden Direktor des Instituts für Romanische Philologie gewählt. Philipps-Universität Marburg

 


MOI, FOUQUET, PEINTRE DU ROI

Ein Intermezzo

Eine Lanze für den Ritter de la Légion d'Honneur
Hermann Hofer

Ein Poet, der in die Seele eines Malers sieht,
ein Maler, der die Seele eines Musikers hört,
und alle drei , die Spiegel eines Teleidoskops,
in deren Zusammenspiel, sich die Welt
in scheinbaren Ordnungen verliert.

Die Marburger Post hat bereits bessere Zeiten gesehen, ja, sie war wohl zur Zeit des Posthorns und der galoppierenden Postkutsche der heutigen Zeit an Geschwindigkeit weit voraus, – so mag man denken, wenn ein Brief von Weidenhausen bis in die Friedrichstraße, immerhin sind das 1200 Meter, drei Tage braucht. Sicher, vor dem Zeitgeist ist keiner gefeit, und die Post hat den Ruf nach Entschleunigung wohl zu gründlich vernommen.

Aber wenn wir schon beim Galoppieren sind, dann sind wir auch recht nahe beim Inhalt dieses Briefes:
der deutsche Textauszug von Hermann Hofers Roman.
„Ich, Fouquet, Maler des Königs“.

Nur Himmlische können produktiv in Anachronismen leben. So ist es naheliegend, dass diese gewichtigen Zeilen aus luftiger Höhe ihre Weltwerdung einer alten "Olympia“ Schreibmaschine verdanken.

Olympisch! Was denn sonst!



Der Marburger „Haut-Ésprit“ hingegen wandelt lieber in den demokratischen Niederungen der fußfreundlichen Lahnwiesen, in der es nach gemeinen Wiesenblumen, Kräutern und Vergissmeinicht duftet, hingegen das Odeur des Eigenwillens weit und breit, sich recht selten ausströmt. Zumal Eigenwille der Marburger Nase dem „Spleen“ anrüchig verwandt scheint, und diese Fleur du mal verdächtig nach Egomanie, ja, Hybris duftet.

Deshalb wird Marburg nie eine Stadt des Parfüms werden!

Das mag vielleicht ein Grund sein, warum der Poet und Romanist Hermann Hofer seine filigranen Wurzeln so schwer in den rot-rostigen Marburger Lehmboden schlagen konnte, der eher soliden Grund für lutherische Schwergewichte bot.

Ja, das Galoppieren, das hatte ich fast vergessen. Hofer lässt über seine schneeweißen Blätter die Worte galoppieren, auf denen der Liebhaber, als sei er auf schwarzem Hengst mit Feueraugen, seine Schöne umfängt: keine Schönere als die ganze Welt!

Welch ein schöner und verruchter Ehrgeiz, den ihm trotzdem niemand je wird verbieten können!

So viel sei den Marburgern gesagt. - Wenn auch, typisch anachronistisch, 45 Jahre zu spät.

Aber nun soll er selbst, soll Hofer sprechen:

 

 


 

 

 


 

 





 

Frisch aus der Presse:


 

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